Asia-Wochen bei gluless.kitchen

Asien

Aus gegebenem Anlass werde ich einige der nächsten Beiträge dem asiatischen Essen widmen. Wer meine kurze Vorstellung gelesen hat, weiß vielleicht schon, dass ich längere Zeit in Asien gelebt habe und dort viel gereist bin. Ende Oktober geht es für mich endlich mal wieder in eine meiner absoluten Lieblingsstädte: HONG KONG. Ich habe längere Zeit dort verbracht und die Stadt von vielen Seiten kennengelernt, diesmal werde ich mich allerdings etwas mehr aufs Essen konzentrieren. Seitdem ich dort ansässig war, hat sich in Sachen glutenfreier Küche unglaublich viel getan und ich bin total gespannt.

Zuerst einmal muss ich mit einem Missverständnis aufräumen, welches sich wohl in die meisten Köpfe der Deutschen eingebrannt hat: asiatisches Essen ist nicht Chinesisch. Das wäre so, als würde man sagen, ein typisch europäisches Essen ist Haxe oder Bratwurst. Die asiatische Küche ist unglaublich vielfältig und toll. Ich muss zugeben, hierzulande wird oft gepanscht und alles schmeckt gleich, so wie beim berühmten Chinesen um die Ecke, aber das “echte” chinesische Essen hat damit soviel zu tun wie ein Ei mit einem Elefanten. In Asien gab es viele europäische Kolonien und die Einflüsse dieser Küchen ist allgegenwärtig. So war z.B. Vietnam von den Franzosen besetzt und deren Hinterlassenschaft sind tatsächlich die typischen Baguettes, die man belegt überall kaufen kann (wenn man Baguette essen kann, natürlich). Macao, eine chinesische Insel, war eine portugiesische Kolonie (bis 1999!), deshalb fühlt man sich dort tatsächlich manchmal, als wäre man in Portugal! Sobald man den Blick etwas schweifen lässt, erinnern einen die Hochhäuser und Casinos allerdings daran, dass es sich wohl doch um einen anderen Ort handeln muss. Macao wird übrigens das Las Vegas Asiens genannt, hier gibt es Ableger aller Casinos, die man sonst nur in den USA vermutet…

macao

Kolonialbau auf Macao

Jetzt geht es aber wieder ums Essen, deshalb möchte ich euch einige Tips geben, wie man zumindest relativ sicher durch Asien kommt…

China: Mit Zöliakie ist es tatsächlich sehr schwer, chinesisch zu essen. Nach dem obligatorischen Reis kann man die Karte im Prinzip schon wieder zuklappen. Der Grund ist, dass Chinesen ihre Speisen fast ausnahmslos entweder frittieren, mit Soja- oder Austernsoße abschmecken (braune Soße ist meist ein Zeichen, dass man sie nicht essen sollte, meine Damen und Herren, das gilt auch für die Bratensoße von Tante Herta!) oder aus Tonnen von Weizenmehl herstellen. Am liebsten alles zusammen. Als ich 2006 für 6 Monate nach China zog, hatte ich eine wirklich harte Zeit! Nicht nur die Küche an sich, sondern auch fehlende Sprach- und somit Klärungskenntnisse auf beiden Seiten und die Einstellung: Ja so ein bisschen kann ja nix schaden, haben mir die Tage wirklich nicht erleichtert und mir ging es oft schlecht. So waren meine Wochenenden in der Metropole Hong Kong wirklich erholsam…trotz des Gefühls, sich in einem Ameisenhaufen zu befinden. HK war ebenfalls eine Kolonie und gehörte bis 1997 zu Großbritannien. In Hong Kong leben viele Europäer, Amerikaner, Australier, etc., demnach hat man auch beim Essen genügend Alternativen. Vor allem ist die Sprachbarriere, soweit man der englischen Sprache mächtig ist, kein Problem!

Marktstand in Hong Kong

Marktstand in Hong Kong

Thailand: Ein Traum! Nicht nur zum Reisen und Entdecken, sondern auch, was die Ernährung betrifft. Natürlich gibt es in Thailand auch viele Dinge, die frittiert sind, aber Sojasoße findet man in so gut wie keinem Gericht (genau wie Glutamat, das möchte ich nämlich auch nicht essen!). In Thailand ist das Essen nicht nur superfrisch und wird vor deinen Augen zubereitet, sondern auch wahnsinnig preiswert. Überall gibt es die berühmten Garküchen, an denen manchmal nur ein Gericht, manchmal 20 verschiedene angeboten werden. Die Preise schwanken so zwischen 50 Cent und 5€ (schon ein Restaurant). Ich habe schon 1000 Mal an diesen Küchen gegessen und hatte nie Probleme. Natürlich bin ich nicht zu dem gegangen, der neben 10 frittierten Gerichten noch ein Curry anbot, aber Auswahl gibt es dort wirklich genug. Man sitzt auf Plastikstühlchen, die wir unseren Kindern hinstellen würden, aber all das macht das Ambiente dieser “Restaurants” aus. Es braucht keinen Thron, um ein Festmahl zu bekommen!!

Typische Garküche in Bangkok

Typische Garküche in Bangkok

"Laufendes Restaurant" am Strand. Manche dieser Verkäufer haben einen Grill mit und bereiten z.B. Maiskolben mit Salz und Butter zu!

“Laufendes Restaurant”. Manchmal sogar mit “eingebauter” Feuerstelle, um Maiskolben mit Salz und Butter zu grillen.

Philippinen: Während eines einwöchigen Aufenthaltes auf den Philippinen durfte ich die sehr einfache Küche dort kennenlernen. Eigentlich gab es dort jeden Tag frisches Hühnchen vom Grill mit Reis und einer leckeren, süss-scharfen Soße oder frischen Fisch. Gelebt wird am Wasser, gegessen wird mit den Fingern. So unberührt wie die Landschaft, die ich dort erleben durfte, ist auch die Küche. Es gibt keine unnötigen Marinaden, keine Weiterverarbeitung von Lebensmitteln und sonstige unangenehmen Zubereitungsarten, die unsereins das Leben erschweren.

Philippinen: Vom Meer in den Mund! Frischer gehts nicht!

Auf den Philippinen: Vom Meer in den Mund, frischer gehts nicht!

Japan: I love it! Es liebt mich allerdings nicht, auf jeden Fall, was die Küche angeht. Ich muss vorweg nehmen, dass ich nur in Tokio war und noch keine Chance hatte, das Land zu bereisen. Allerdings werde ich mir das auch reichlich überlegen, denn essen gehen in Japan ist fast unmöglich (mit Zöliakie). Was wirklich interessant und am Anfang etwas verstörend ist: Jedes Restaurant wirbt für sich mit je einer 1zu1 Replika des angebotenen Essens vor der Eingangstür. So soll die Entscheidung wohl leichter fallen… Ich fand es eher abschreckend, ihr könnt euch gerne eure eigene Meinung dazu bilden:

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Westliches Restaurant in Tokio

Japan2

Wer an japanische Küche denkt, denkst meist zuerst an Sushi. Doch in Japan ist das gar nicht so verbreitet, es gibt natürlich Sushi- Restaurants. Aber das “normale” Essen dreht sich im Alltag eher um Bento-Boxen (ein Menü in Kleinformat, meist aus 5 bis 8 Zutaten bestehend) und Nudelsuppen (Udon oder Soba, das letztere aus Buchweizen, aber oft nicht 100%!!). Natürlich bietet eine Stadt wie Tokio auch einige Alternativen. Z.B. habe ich ein Koreanisches Grillrestaurant gefunden, bei dem alle Zutaten roh serviert werden. Man grillt sich sein Menü auf einem in den Tisch eingelassenen Grill und würzt alles selber. Das war für mich relativ safe, obwohl es erst beim 2. Versuch geklappt hat, einen Teller ohne aufgeträufelte Sojasoße zu bekommen. Ist echt nicht leicht, wenn man zum verständigen nur seine Hände und Füße hat (auch in Japan ist das mit Englisch so ne Sache…) und unsere europäischen Gesten auch noch was komplett anderes Bedeuten in fremden Kulturen.

Koreanisches Grillrestaurant in Tokio

Koreanisches Grillrestaurant in Tokio. Inklusive Lätzchen!

Abschließend kann ich jedem, der nach Japan reist und kein Vegetarier ist, den Besuch in einem Teppanyaki Grills ans Herz legen, das ist eine wunderbare Erfahrung. Klar, gibts auch in Deutschland, aber das japanische Fleisch ist einzigartig. Man hat seinen eigenen Koch und schaut beim Zubereiten zu. Ich konnte ihm vorher mit einem Übersetzer mein Problem erklären und er hat seinen Grill ca 10 Minuten geputzt, bevor er uns ein Wahnsinnsmenü auftischte. Alles zubereitet mit meiner mitgebrachten glutenfreien Sojasoße. Ich kaufe übrigens immer die von Lima, gibts im Bioladen.

Natürlich gibt es noch unglaublich viele Flecken, die ich noch nicht bereist habe, aber damit kann ich euch vielleicht einen ersten Eindruck über die asiatische Küche vermitteln. Toll sind die vielen Reisvariationen, die es gibt: Reisnudeln in 1000 Varianten, “Kuchen” aus Reismehl, Klebreis, usw. Daran kann man sich schon ordentlich satt essen! Wer also Lust am Reisen hat, sollte sich die asiatischen Länder auf keinen Fall entgehen lassen. Man braucht auf jeden Fall keine Angst haben, dass man nicht satt wird, im Notfall gibt es so viel exotisches Obst, dass man im Prinzip nur davon essen könnte!!

3 comments Write a comment

  1. Hallo Esther, sehr schöner Bericht. Du nimmst mir ein wenig die Angst vor meinem ersten Backpackingtrip nach Thailand im November. Ich habe meine Diagnose seit Mai 2014 und bin seitdem nur noch nach Italien und Spanien aufgrund der einfachen Verfügbarkeit etc. von gf Produkten gereist.

    Hast Du noch spezielle Tipps für Thailand? Auf was sollte ich besonders achten?
    Soja- und Fischsauce immer abbestellen? Wie sieht es mit den Currys aus? (Ich weiß, dass man nie eine generelle Aussage treffen kann und immer fragen muss.)
    Werde auch die Bitte an den Koch bzw. Erklärung auf was ich achten muss in thailändisch mitnehmen.
    Habe auch noch eine Fruktose- und Laktoseintoleranz, wobei Laktose in den Thaigerichten eh nicht vorhanden ist.

    Vielen Dank & Grüße,
    Diana

    • Liebe Diana,
      herzlichen Glückwunsch! Thailand ist ein wunderbares Land in jeder Hinsicht. Mach dir mal wegen dem Essen gar keine Sorgen, es ist ein absolutes Traumland, wenn man Zöliakie hat. Die Thais kochen so gut wie gar nicht mit Sojasoße oder Mehl, Fischsoße kannst du eigentlich immer essen und in den Currys werden nur frische Sachen verarbeitet. Von frittiertem natürlich die Finger lassen, aber das weißt du ja! Es ist sogar kein Problem, an einer Garküche zu essen, denn meist gibt es nur ein Gericht und du kannst die Zutaten vor dir sehen. Die Thais sprechen super englisch, zumindest dort, wo ich gereist bin. Ich habe mittlerweile mehr als 3 Monate dort verbracht und hatte nie Probleme! 🙂 Also: Einfach hinfahren und genießen! Viel Spaß und einen lieben Gruß! Esther

  2. Anne und ich haben deine Berichte gelesen.Sie waren informativ.und interessant .Deine Erfahrung gibst du auf diesem Wege weiter ,motivierst viele Menschen den Umgang mit zöliakie zu verstehen und ihr Leben trotzdem leichterzu meistern

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